Seit vielen Tagen warte ich bereits auf die Antwort der Kundenbetreuung eines deutschen Premiumherstellers. Dort hat man ein Produkt im Angebot, das mit 350Nm angetriebenen Vorderrädern den selben Beschleunigungswert von 0 auf 100 erreicht wie selbiges Fahrzeug mit Vierradantrieb. Dass letzterer keinen Traktionsvorteil bringt, obwohl nach grober Hochrechnung etwa 100Nm im ersten Gang nicht genutzt werden können (bei Haftreibkoeffizient=1), leuchtete mir nicht so ganz ein.
Ich glaubte schon nicht mehr an eine Antwort durch die Kundenbetreuung, wie mir in einer schnell bearbeiteten Antwortemail nach 2 Tagen angekündigt wurde, doch horch… da klingelt doch Abends nach 19 Uhr mein Telefon. Kundenbetreuung – weißte Bescheid.
Also was soll ich sagen – die Sache gestaltet sich etwas kompliziert. Der stets bemühte Kundenbetreuer informierte mich darüber, dass bei erschwerten Bedingungen, wie suboptimaler Witterung, etc… der Allrad natürlich seine Vorteile ausspielen würde. Da allerdings bei trockenem Wetter der Frontantrieb “die Drehmoment” übertragen kann, seien die angegebenen Werte identisch.
Das überraschte mich, da die Rutschgrenze bei diesem Fahrzeug aber deutlich überschritten sein sollte im ersten Gang. Ich brachte meine überschlagsmäßiges (die genauen Fahrzeugdaten habe ich ja nicht) Ergebnis in das Gespräch ein, woraufhin mein Gesprächspartner seine Strategie änderte. Es gäbe zwischen Theorie und Praxis halt so seine Unterschiede. So große Unterschiede? Das überraschte mich dann aber doch. Ich fragte ihn, ob eventuell das Drehmoment beim Allrad aus irgendeinem Grund beschränkt werden würde, weil Bauteile nur für ein bestimmtes Drehmoment ausgelegt sind, worauf er deutlich veheent verneinend reagierte. Er hatte sich jetzt auf sein Theorie is anders als Praxis Argument eingefahren. Zu meinem Glück brachte er noch den Kammschen Kreis ins Spiel und meinte, dass wenn gemäß dem alles übertragen werden kann, der Fronttriebler eben genauso schnell sei in der Beschleunigung. Ja, wenn…
Ich gab dem guten Mann dann noch zu verstehen, dass die Erklärungsversuche für mich nicht befriedigend waren und gab zu erkennen, dass ich das Gespräch gerne beenden wollte.
Natürlich liest sich das jetzt leider nicht alles so amüsant, wie es war, denn der gute Mann war wohl kein Berechnungsingenieur aus der 4×4-Abteilung. Zumindest hoffe ich das.
So bleibt es mir nur, jedem wärmstens zu empfehlen, technische Fragen an die Kundenbetreuung eines bayrischen Frontlängsmotorverbauers zu richten und dabei die Telefonnummer anzugeben. Dann heißt es ÜBERRASCHUNG!